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"Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen"
erscheint nicht als beherzigenswerte Empfehlung. Das Versprechen steht der
Forderung "weniges, aber gründlich" und "multum, non multa" oder das
Satius est, pusillum bene, quam
multum non ut oportet peragere des Erasmus von Rotterdam entgegen. Es
impliziert Oberflächlichkeit, mangelde Gründlichkeit, Pfusch und
Zersplitterung.und ist verwandt
Non quantitas, sed
qualitas.Mens ad multa fluens non est ad
singula prudens oder In omnibus
aliquid, in toto nihil. . Goethe lässt es im "Vorspiele auf dem
Theater" zu Faust I den Theaterdirektor sagen und dem sieht es ähnlich. Er
ist nicht als Vorbild gezeichnet und seinen Reden und Intentionen empfehlen
sich dem, der mit Minderwertigem Geld verdienen muss, wenn es nur dem Geschmack
der Masse entspricht . Heute gilt das mehr denn je und dürfte daher jetzt
eher beherzigens- und empfehlenswert erscheinen:. Notwendig nicht einmal zur
Profitoptimierung, sondern einfach zum Überleben als Unternehmer.
Wenn ich dieses Zitat wie ein Motto verwende, dann gewiss nicht aus
merkantilen Gründen. Denn alles, was ich hier zusammentrage, ist
unentgeltlich. Es geht mir nicht einmal um Ruhm und Ansehen und viele Besucher
meiner Site. Bestimmend ist mein privates Interesse an (leider) vielen Dingen,
die ich anderen zugänglich mache, um nicht gleich für den Papierkorb
zu schreiben.
Das Zitat wie der Untertitel "Varia" zeigen dem Besucher
gleich anfangs, was ihn erwartet. Leider bestätigt sich die so
verständlich erscheinende Erwartung des Theaterdirektors und seines Satzes
kaum. Man möchte meinen, in dieser Vielfalt müsse fast für jeden
etwas interessant sein. Den Eindruck habe ich nicht. Die meisten interessiert
nur Aktuelles und das, was aktuell "in" und en vogue ist. Unter den etwa 30
Net-Usern, die ich als meine Leser anspreche und denen ich alle drei Monate
einen Newsletter schicke, sind die wenigsten zufällige Leser, die sich mit
Fragen, Korrekturen, Vorschlägen und, ja, auch mit Glückwünschen
und Lob, an mich gewandt haben. Die meisten Newsletteradressaten sind Bekannte
und Verwandte, die mir und meinen Unternehmungen bestenfalls ein gewisses
Wohlwollen aus persönlichen Gründen entgegenbringen.
Wer sich
mit vielem beschäftigt, wird das notwendigerweise oberflächlicher
tun, als jemand, der nur an einem Punkt in die Tiefe bohrt. Er mag gebildeter,
allgemeingebildet erscheinen, es mag für ihn interessanter sein, als wenn
er nicht von dem einen engen Thema besessen ist, darin verbohrt gleichsam, oder
es für Erfolg und Anerkennung tut, die Wissenschaft bringt Verzetteln
nicht voran. Allein die engen Tiefbohrer bringen sie weiter. Durch Vergleichen,
Anregen, Verbinden und Verknüpfen mag der oberflächlich Ausgebreitete
sich günstigstenfalls nützlich machen. Und in der Lehre wird es
unvermeidlich sein, Überblick zu haben, vom ganzen Fachgebiet eine
ausreichend Menge zu wissen Der Tiefbohrer muss nur seinem Gebiet eine Stelle
im Fach anweisen und, vor allem methodische, Voraussetzungen mitbringen, soweit
sie spezeill für sein(e) Unternehmungen Voraussetzung sind.
Als ich noch in der Physiologie war, hatten wir in der
Vorklinik gigantische Studentenzahlen.Vor lauter Lehre kamen wir nicht zum
Forschen. Wer notgedrungen zu viel lehrt, kann nicht die Lehrberechtigung
erlangen. Wer sich iin enger Tiefe bewegt hat, erwirbt die Lehrberechtigung und
muss nun mit der gesamten Breite des Fachgebiets fertig werden.
Wer schreibt, was er nicht selbst erforscht hat, der
schreibt ab. Er macht aus mehreren Büchern eins, erscheint fast als
Plagiator. So aber kommen alle Lehrbücher, Fachbücher, Lexika
zustande. Dort wird immer mehr darin stehen, als der Autor selbst entdeckt oder
auch nur erforscht hat. Wissen muss er, finden muss er. Er muss einen Plan
haben. Er muss eine Auswahl treffen, entscheiden, was er ausführlicher
bringen muss, wo er straffen kann. Er muss ordnen, selbst verstehen und
verständlich erklären, verständlich machen*. Neben
didaktischen Fragen ergeben sich solche der Anordnung, des Stils, der
Gestaltung bis hin zum Design. So bringt auch er ein eigenständiges Werk
zustande.
Eigen und in Grenzen einmalig sind auf meiner Site
einzig : Phondeutsch und
Perigramme. Von dem Scherz-Versuch der
Trigonoskopie will ich nicht reden.. Die Breite
meiner Interessen nützt wenig. Trotzdem möchte ich sie nicht missen.
Glücklicherweise habe ich als Rentner eine Lebensphase erreicht, wo es (in
meiner Generation noch) nicht mehr nötig ist, mit seinem Pfande zu
wuchern. Ich kan die letzten Jährchen tun, was mir Spaß macht, und
es dank des Internets potentiell sogar vor aller Welt ausbreiten. Das
nützt nicht nur wenig, sondern auch wenigen. Immerhin. Bei der Anzahl der
Webteilnehmer akkumulieren sich die wenigen weit Verrstreuten zu etlichen
doch.
Variato delectat gilt für mich, was die Gesamtheit des
Angebotenen betrifft. Und gilt für Einzelnes aus meiner Agglomeration
für einzelne, deren Zahl mit der Zahl der angeboten Einzelheiten (leicht)
wächst. Also gilt die Empfehlung "Wer vieles bringt, wird manchem etwas
bringen" in bescheidenem Maße doch.
Der Boden schien mir schon in
der Jugend bereitet. Ich bin und bleibe passionierter Autodidakt. Mein erstes
Lehrbuch in Kindheit und früher Jugend war Meyers zwölfbändiges
Lexikon. Breite und Überblick resultierte daraus. Isolation hat Nachteile.
Eine gewisse Naivität ohne einengende und steuernde Kommentare eines
Lehrers. Auch aus Diskussionen, dummen und schlauen Fragen und Ansichten von
Mitschülern lermt der Einzelgänger nicht. Man macht sich seinen Reim
selbst. Das hat auch Vorteile, wenn man besonnen und vorsichtig ist und sich
eher unter- als überschätzt. Man wird nicht auf die Gleise
verbreiteter Lehrmeinungen und Betriebsblindheiten geschoben. Neben dem Lexikon
gab es andere Bücher. Inzwischen haben sie sich auf mehr als 10000 eigene
vermehrt und sammeln sich weiter. Bibliotheken wurden viel besucht. Und heute
haben wir im Internet das größte Lexikon der Welt, das nicht in
einem Schrank steht, sondern sich über den ganzen Globus aubreitet. Die
anderen Massenmedien, Presse, Rundfunk und Fernsehen tun das Ihrige. Allerdings
habe ich wie die anderen auch Schule und Universität
besucht.
--------- * Wenn mann sich lesend in ein neues Gebiet
vertieft, ist man geneigt, die Anfänge zu überfliegen. Meist wird
breit ausgeführt, was man bereits weiß, ja oft, was sich von selbst
versteht. Plötzlich aber versteht der Leser nicht mehr. Aha, denkt er.
"Ich bin zu weit vorgeprescht." Er geht zurück, um die Stelle zu
lokalisieren, wo das unbekannte Neuland beginnt. Oft findet er statt dessen
nichts, ein Loch gleichsam. Über den allgemeinsten Voraussetzungen hat der
Autor ausgerechnet die unmittelbaren Prämissen zu seinen nächsten
Aussagen übersprungen. Oft schon am eigentlichen Einstieg. Aber auch
später tut er es gern an kniffligen Stellen. Ausgerechnet dort liefert er
nichts, dass man verstehen und folgen könnte. Erst tritt er Banales breit,
dann sezt er zu viel nicht Erklärtes voraus.Warum? Merkt er nicht, wo der
Anfänger Schwierigkeiten zu haben pflegt, ja haben muss?. Steht er schon
so hoch in und über seinem Stoff, dass er Einstiegsschwierigkeiten nicht
(mehr) nachvollziehen kann? Ist er einfach nur arrogant?. Will er gar nicht
verstanden werden und aus seinem Gebiet eine Geheimwissenschaften machen, in
deren Gefilden nur er umgeht und zu Hause ist? Oder, und der Verdacht
drängt sich oft auf: Hat er manche schwierigen Punkte selbst nicht (so
richtig) verstanden?.
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