|
Alphabet:
a b c ^c d e f g ^g h ^h i j ^j k l m n o p r s ^s t u
ü v z
(Die Schreibung ^c, ^g, ^h, ^j, ^s und ü ist ein
Notbehelf. Das "Dach", der Zirkumflex ^, supersigno Überzeichen gehört korrekterweise nicht
vor, sondern über den betreffenden Konsonanten; ü wird als
u mit einem typischen u-Haken, gerundet und nach oben offen
geschrieben.
Die genannten 6 Buchstaben fehlen in den meisten Sprachen
und folglich in den meisten Setzkästen und Computerschriften. Zamenhof
ersetzte sie in diesen Fällen durch ch, gh, hh, jh,
sh. Um (unwahrscheinliche!) Verwechslungen mit zufälligem
Zusammentreffen (multhoma, lipharoj
Schnurrbart) zu vermeiden, ersetzt man h
heute häufig durch das als Buchstabe nicht vorkommende x. Das ergibt ein
abstoßendes Schriftbild, das Nichtesperantisten suggeriert, Esperanto sei
unaussprechbar oder höre sich abscheulich an. Ich ziehe es vor, das
^ über dem Konsonanten durch
^ vor dem Konsonanten und das u mit Haken durch
ü zu ersetzen. Um Umschreibung handelt es sich allemal. Man sollte keine
von ihnen in der Handschrift gebrauchen oder wenn die korrekten Buchstaben im
Schriftsatz (allgemein) zur Verfügung stehen.
Dagegen fehlen im
Esperanto-Alphabet die 7 Buchstaben ä,ö,(das echte) ü,q,w,x,y. Die Konsonantenverbindungen
ch, ph, th entstehen höchstens durch
zufälliges Zusammentreffen nach Art von Brathering (s.o.); sch kann
nicht einmal so zustande kommen.
Die Namen der Buchstaben sind wie im
Deutschen Substantive la bo das b, la co
das c usw. Die Vokale
erhalten kein o - mit Ausnahme des Halbvokals (und
damit Halbkonsonanten) ü (üo) zur
Unterscheidung von u, das damit gleich behandelt
wird wie der andere Halbvokal/Halbkonsonant j
(jo).
Aussprache Konsonanten Es gilt die allgemeine Regel:
"Jedem Zeichen entspricht nur ein Laut und jedem Laut ein Zeichen", von der
andere Sprachen meilenweit entfernt sind.Das Bemühen, der Regel zu
entsprechen, ging soweit, dass man auch Klangfärbungen durch benachbarte
Buchstaben vermeiden wollte, soweit sie dem Sprecher überhaupt auffielen.
So sollte das n auch vor g und k nicht nasaliert werden, man sprach das
n in lon-ga wie das
n in London. Diese
kenntnisreiche Feinheit, die sich auf falsche Annahmen gründet, ist
weitgehend außer Mode gekommen. Solche Beeinflussungen gibt es auch
unvermeidlich und weitgehend unbemerkt bei anderen Konsonanten. Man spreche
probehalber k inKino
bzw. kino, Kollege
bzw. kolego unter Beachtung der hintereinander
liegenden Artikulationsstellen des k. Diese Auspracheunterschiede bewirken
keine Bedeutungsunterschiede wie sumo und
zumo, gaso
Gas und gazo Gaze oder
deutsch Gaze und Gasse. Die zudem auch individuelle,
dialektmäßige und nationalsprachliche Aussprache eines Zeichens wird
und darf in einem gewissen Bereich schwanken, solange es nicht zu
Überschneidungen führt. Diese sinngebenden Abgrenzungen werden als
Phoneme (wie sum- und zum-) bezeichnet. Französische und englische (u.a.)
Esperantisten wird man so gut wie immer am "Akzent", an ihrer nationalen
Klangfarbe erkennen können, wie man im Deutschen Hamburger und Chemnitzer
unterscheiden kann. Der Begriff des Dialektes gewinnt in Esperanto eine
internationale, globale Dimension. Uns Deutschen bereitet die
Esperanto-Aussprache wenig Schwierigkeiten. b,d,f,g,h,
anlautendes j, k,l,m,n,p,t werden wie im
Hochdeutschen gesprochen, Unmittelbar hintereinanderstehende Konsonanten
müssen, jeder für sich, deutlich abgegrenzt gesprochen werden, z.B.in
packanto Friedenslied, lipharoj
Lippenhaare: Schnurrbart,
dratharteriero
Drahthaarterrier scienco, bankkonto, plattreti platttreten.
Vom Deutschen abweichende
Aussprache:
- c wie deutsches z (cigaro, colo, caro),
vgl. Regel 27
- r sollte wie Zungenspitzen-r ggf.
leicht gerollt gesprochen werden. Deutsches r ist
ausländischen Ohren oft kaum vernehmlich, dormo wird dann als domo
missverstanden.
- s Stimmlos (scharf) wie
ss. Das gilt auch im Anlaut! (kaso, klaso, suno, somero) und vor einem anderen
Konsonanten (sporto, stelo, scii, scienco), vgl.
die Regeln 16 und 8.
- v wie w, niemals wie
f (in Vater),
vgl. Regel 10
- z wie stimmhaftes (weiches)
s in Rose, summen
(rozo, zumi), niemals wie z.
s und
z sind deutlich unterscheidbar zu sprechen. vgl.
Regel 47
Mit dem "Überzeichen" (supersigno) werden die Zischlaute und
ch bezeichnet. Die 4 Zischlaute ordnet man am
übersichtlichsten in einer 2*2-Tabelle an.
| ^ |
rein |
mit t- bzw. d-Vorschlag |
| hart |
^s |
^c |
| weich |
^j |
^g |
- ^s wie deutsches
sch ( ^sranko, ku^si,
^steli stehlen), vgl. Regel 9.
- ^c wie deutsches
tsch in deutsch,
quetschen (ka^co
Brei, tor^co
Fackel, ^carma ) ,
vgl. Regel 30.
- ^j wie j
in Jour, Journal oder das zweite
g in Garage (^jurnalo, ^jaluza
eifersüchtig, a^jo Sache, Ding), vgl. Regel 39.
- ^g wie g in engl. Germany (^gi, ^gis, a^go Alter),
vgl. Regel 40.
- ^h wie deutsches
ch in ach,
nicht wie in
ich. Nicht
selten wird ^h jetzt durch k ersetzt (kemio statt
^hemio). Das ist nicht möglich, wenn dabei
Phonemgrenzen überschritten werden (^horo
Chor, aber koro
Herz). Vgl. Regel 52,
Das Vorhandensein von vier Zischlauten,
die beim Sprechen wie beim Hören auseinandergehalten werden müssen,
erschwert Esperanto für die Sprecher mancher Sprachen. Wir Deutschen haben
damit wenig Mühe. Die harten Zischlaute sind als sch und tsch im Deutschen
häufig. Die weichen kennen wir aus Fremdwörtern, das
^j von solchen französischer Herkunft, das
^g von solchen aus dem Englischen. Das
Vorhandensein der vier Zischlaute ermöglicht die halbwegs lautgerechte
Übernahme von geographischen und persönlichen Eigennamen und die
Bereicherung des Wortschatzes. Herkunftsprachen sind nicht etwa nur slawische
Sprachen, sondern das Deutsche (^suo, ^safo, fi^so
usw.), das Englische (fi^so, ^germano Germane, pa^go Seite) und
das Französische (^jurnalo,
^jongli u.a.). Eigentümlich ist der Gebrauch
von ^c, wenn französische Wörter mit dem
^s-Laut (z.B. bei^cambro), oder des ^g wenn
Wörter mit ^j-Laut zugrunde liegen (eta^go, ^gardeno, ^geni
stören) usw. Vokale Die Vokale
a,e,i,o,u spreche man rein und unvermischt wie im
Hochdeutschen. Sie werden nicht verfälscht oder gar vertauscht wie in
manchen Dialekten (etwa dem Sächsischen) oder Sprachen (etwa dem
Englischen). Man strebe eine "mittlere Aussprache" an und spreche die Vokale
weder übertrieben lang noch durchgehend und gar übermäßig
offen. Die Tendenz zur offenen Aussprache hat sich in den letzten Jahrzehnten
verstärkt, scheint jetzt aber einigermaßen rückläufig zu
sein. Man vermeide Extreme und Affektiertheit. Der Deutsche - und bei weitem
nicht nur dieser - wird die Vokale in geschlossenen Silben (also vor zwei
Konsonanten) eher kurz und offen sprechen, die Vokale in vokalisch auslautenden
Silben eher lang und geschlossen (koro :
korbo Korb) und liegt damit sicher nicht falsch.
Diphtonge Nicht jedes Zusammentreffen
zweier Vokale bildet einen echten und einsilbigen Diphthong. Diese
bestehen stets aus einem Vokal mit einem nachfolgenden Halbvokal ü oder j
am häufigsten in der Form aj, ej (plej am
meisten), oj, uj (tuj sofort), aü,
eü. Man spreche den ersten Vokal und lasse den zweiten
schwächer folgen, etwa wie in Mai, Heu, pfui,
Frau, englischem day . Das
eü darf aber nicht wie deutsches
eu gesprochen werden, das eher dem oj entspricht. Es muss wie kurz hintereinander
gesprochenes e und flüchtiges u lauten (Eüro, Eüropo). In Vokalfolgen wie in
aorto, biero, piedo, scienco, enui sich langweilen, teamo Team, scii,
balai (fegen)
müssen die vollen Vokale nacheinander gesprochen werden. Die betreffenden
Wörter sind (mindestens) dreisilbig.
Betonung Ausnahmslos wird die vorletzte Silbe
betont. Beachten Sie, dass die (echten) Diphthonge je eine Silbe bilden.
Im zweisilbigen morgaü liegt daher der Ton
auf der ersten Silbe, auf dem o, im dreisilbigen
apenaü auf der mittleren Silbe. auf dem
e. Dagegen ist balau!fege!
dreisilbig, die Endung u der Befehlsform tritt an das auslautende
a der Wortwurzel; die vorletzte Silbe, die den Ton
trägt, ist das zweite a. Bei Wörtern auf -io und -ia ist das
i die vorletzte Silbe und muss betont werden, was
uns bei kolonio, sinfonio und
filozofio nicht stört, aber bei lilio Lilie und
familia gewöhnungsbedürftig ist.
Rechtschreibung Die Regel "Jedem Laut
entspricht ein Zeichen, jedem Zeichen ein Laut" erleichtert nicht nur die
Rechtschreibung, sondern auch die Einprägung der Wörter.
Als Deutscher weiß man nicht so recht, schreibt sich das
italienische Wort für blau mit einem oder
zwei z und mit einem oder zwei r ? Eine derart vage Wortgestalt prägt sich
schwer ein. Es gibt keine stummen Dehnungsbuchstaben wie unser
h, e (in ie) oder
Doppelvokale (aa, ee ... ) und keine
Doppelkonsonanten (zwei gleiche Konsonanten hintereinander) in einem Wortstamm
(fali, taso, somero, suno; aber
plattreti platttreten. Ein schönes
Beispiel für gleich mehrere Aussprache- bzw. Rechtschreiberegeln ist der
schon oben genannte dratharteriero: kein
Dehnungszeichen h in drat(o) und aa in
har(o), das zufällig entstehende und getrennt
zu sprechende t-h, das einfache
r in teriero und die
Vokalverbindung i-e als Scheindiphthong.
Außerdem wird man an die Möglichkeit erinnert, die -os in den ersten Bestandteilen zusammengesetzter
Wörter wegzulassen (wie dumm klänge dratoharoteriero - obwohl es
zulässig ist. Auch die Möglichkeit, überhaupt Wörter
zusammenzusetzen, wird durch die Dreifachkombination von drato - haro und - teriero demonstriert.:
Silbentrennung Am Zeilenende kann ein Wort an
beliebiger Stelle getrennt werden. Das mag bei manchen Druckverfahren notwendig
sein. Wenn man es in der Hand hat, wird man aber an Silbengrenzen oder am Ende
von Wortbestandteilen oder auch vor Ableitungssilben trennen:
koloni-o, vagon-pordo, blind-ulo oder
blin-dulo. Dadurch wird die Verständlichkeit
erleichtert. Niemand wird etwa den Artikel la
trennen.
Wortstellung im Satz Die
Satzstellung ist weitgehend frei. Das -n des
Akkusativs lässt auf einen Blick das direkte Objekt erkennen. Man kann
La filinon batis la patro sagen. Im Deutschen ist
das bei Den Sohn schlug der Vater auch
möglich. Sind Nominativ und Akkusativ von Artikel und Substantiv gleich
wie bei "Die Tochter schlug die Mutter", wird man
die Umstellung ihrer Zweideutigkeit halber zumindest beim Schreiben
unterlassen. Das -n ermöglicht ein einfaches
und schnelles Satzverständnis. Einer natürlichen, logischen
Satzstellung Subjekt - Prädikat - Objekt (Satzgegenstand - Satzaussage -
Satzergänzung) wird man ohnehin den Vorzug geben. Um Monotonie zu
vermeiden und zur Hervorhebung einzelner Worte kann man den Satz umstellen. Das
besonders betonte Wort kann an den Anfang oder das Ende treten. Die Stellung
der Worte im Satz ist ein wichtiges Stilmittel. Adjektive können vor
oder nach dem Substantiv stehen, auf das sie sich beziehen. Die Endungen -o und -a schaffen einen
schnellen und eindeutigen Überblick. Voranstellung des Adjektivs ist
häufiger, besonders bei Sprechern, die diese Stellung von ihrer
Muttersprache gewöhnt sind. Nachstellung schafft eine stärkere
Akzentuierung und wird bei Institutionen und Amtsbezeichnungen häufiger
sein. Adverbien (Umstandswörter) stehen oft vor oder nach dem Wort, auf
das sie sich beziehen. Umstandsbeziehungen, die den ganzen Satz betreffen, etwa
Zeit- und Ortsangaben stehen meistens am Anfang oder am Ende des Satzes. Die
Verneinung soll vor dem Wort stehen, auf das sie sich beziehen. Ist der ganze
Satz verneint, steht ne vor dem Prädikat. Ein
persönliches Fürwort im Akkusativ steht nicht selten wie in den romanischen Sprachen vor dem Prädikat:
^Si min konas Sie
kennt mich. Das "heranholende"
^ci kann vor oder nach tie usw, stehen: ^ci tie
oder tie ^ci hier
Zeichensetzung Dafür gibt es keine
verbindlichen Regeln. Man kann wie im Deutschen verfahren. Um den Satz
übersichtlich zu gliedern oder Sprechpausen zu markieren, braucht man sich
nicht an die (derzeit instabilen) deutschen Regeln zu halten. Vor einiger
Zeit gab es (vergebliche) Beanstandungen, weil die UEA (Universala Esperanto-Asocio), der
Esperanto-Weltverband, in ihrer Zeitschrift "Esperanto" die Relativsätze
wie im Englischen nicht durch Komma abtrennt und damit nicht alle
Nebensätze erkennbar von Hauptsätzen abteilt. Das erscheint wenig
logisch und nicht zweckmäßig. Dennoch besitzt das Fehlen
reglementierender und besonders einzuprägender Regeln Vorteile, die
einzelne Ungereimtheiten, Unschönheiten, ja
Verständnisverzögerung aufwiegen. |