Aussprache, Betonung, Rechtschreibung ...
(nach Lektion 5)

Alphabet: a b c ^c d e f g ^g h ^h i j ^j k l m n o p r s ^s t u ü v z

(Die Schreibung ^c, ^g, ^h, ^j, ^s und ü ist ein Notbehelf. Das "Dach", der Zirkumflex ^, supersigno Überzeichen gehört korrekterweise nicht vor, sondern über den betreffenden Konsonanten; ü wird als u mit einem typischen u-Haken, gerundet und nach oben offen geschrieben.

Die genannten 6 Buchstaben fehlen in den meisten Sprachen und folglich in den meisten Setzkästen und Computerschriften. Zamenhof ersetzte sie in diesen Fällen durch ch, gh, hh, jh, sh. Um (unwahrscheinliche!) Verwechslungen mit zufälligem Zusammentreffen (multhoma, lipharoj Schnurrbart) zu vermeiden, ersetzt man h heute häufig durch das als Buchstabe nicht vorkommende x. Das ergibt ein abstoßendes Schriftbild, das Nichtesperantisten suggeriert, Esperanto sei unaussprechbar oder höre sich abscheulich an. Ich ziehe es vor, das ^ über dem Konsonanten durch ^ vor dem Konsonanten und das u mit Haken durch ü zu ersetzen. Um Umschreibung handelt es sich allemal. Man sollte keine von ihnen in der Handschrift gebrauchen oder wenn die korrekten Buchstaben im Schriftsatz (allgemein) zur Verfügung stehen.

Dagegen fehlen im Esperanto-Alphabet die 7 Buchstaben ä,ö,(das echte) ü,q,w,x,y. Die Konsonantenverbindungen ch, ph, th entstehen höchstens durch zufälliges Zusammentreffen nach Art von Brathering (s.o.); sch kann nicht einmal so zustande kommen.

Die Namen der Buchstaben sind wie im Deutschen Substantive la bo das b, la co das c usw. Die Vokale erhalten kein o - mit Ausnahme des Halbvokals (und damit Halbkonsonanten) ü (üo) zur Unterscheidung von u, das damit gleich behandelt wird wie der andere Halbvokal/Halbkonsonant j (jo).

Aussprache
Konsonanten
Es gilt die allgemeine Regel: "Jedem Zeichen entspricht nur ein Laut und jedem Laut ein Zeichen", von der andere Sprachen meilenweit entfernt sind.Das Bemühen, der Regel zu entsprechen, ging soweit, dass man auch Klangfärbungen durch benachbarte Buchstaben vermeiden wollte, soweit sie dem Sprecher überhaupt auffielen. So sollte das n auch vor g und k nicht nasaliert werden, man sprach das n in lon-ga wie das n in London. Diese kenntnisreiche Feinheit, die sich auf falsche Annahmen gründet, ist weitgehend außer Mode gekommen. Solche Beeinflussungen gibt es auch unvermeidlich und weitgehend unbemerkt bei anderen Konsonanten. Man spreche probehalber k inKino bzw. kino, Kollege bzw. kolego unter Beachtung der hintereinander liegenden Artikulationsstellen des k. Diese Auspracheunterschiede bewirken keine Bedeutungsunterschiede wie sumo und zumo, gaso Gas und gazo Gaze oder deutsch Gaze und Gasse. Die zudem auch individuelle, dialektmäßige und nationalsprachliche Aussprache eines Zeichens wird und darf in einem gewissen Bereich schwanken, solange es nicht zu Überschneidungen führt. Diese sinngebenden Abgrenzungen werden als Phoneme (wie sum- und zum-) bezeichnet. Französische und englische (u.a.) Esperantisten wird man so gut wie immer am "Akzent", an ihrer nationalen Klangfarbe erkennen können, wie man im Deutschen Hamburger und Chemnitzer unterscheiden kann. Der Begriff des Dialektes gewinnt in Esperanto eine internationale, globale Dimension.
Uns Deutschen bereitet die Esperanto-Aussprache wenig Schwierigkeiten.
b,d,f,g,h, anlautendes j, k,l,m,n,p,t werden wie im Hochdeutschen gesprochen,
Unmittelbar hintereinanderstehende Konsonanten müssen, jeder für sich, deutlich abgegrenzt gesprochen werden, z.B.in packanto Friedenslied, lipharoj Lippenhaare: Schnurrbart, dratharteriero Drahthaarterrier scienco, bankkonto, plattreti platttreten.

Vom Deutschen abweichende Aussprache:

  • c wie deutsches z (cigaro, colo, caro), vgl. Regel 27
  • r sollte wie Zungenspitzen-r ggf. leicht gerollt gesprochen werden. Deutsches r ist ausländischen Ohren oft kaum vernehmlich, dormo wird dann als domo missverstanden.
  • s Stimmlos (scharf) wie ss. Das gilt auch im Anlaut! (kaso, klaso, suno, somero) und vor einem anderen Konsonanten (sporto, stelo, scii, scienco), vgl. die Regeln 16 und 8.
  • v wie w, niemals wie f (in Vater), vgl. Regel 10
  • z wie stimmhaftes (weiches) s in Rose, summen (rozo, zumi), niemals wie z.
    s
    und z sind deutlich unterscheidbar zu sprechen. vgl. Regel 47

Mit dem "Überzeichen" (supersigno) werden die Zischlaute und ch bezeichnet. Die 4 Zischlaute ordnet man am übersichtlichsten in einer 2*2-Tabelle an.

^ rein mit t- bzw. d-Vorschlag
hart ^s ^c
weich ^j ^g
  • ^s wie deutsches sch ( ^sranko, ku^si, ^steli stehlen), vgl. Regel 9.
  • ^c wie deutsches tsch in deutsch, quetschen (ka^co Brei, tor^co Fackel, ^carma ) , vgl. Regel 30.
  • ^j wie j in Jour, Journal oder das zweite g in Garage (^jurnalo, ^jaluza eifersüchtig, a^jo Sache, Ding), vgl. Regel 39.
  • ^g wie g in engl. Germany (^gi, ^gis, a^go Alter), vgl. Regel 40.
  • ^h wie deutsches ch in ach, nicht wie in ich. Nicht selten wird ^h jetzt durch k ersetzt (kemio statt ^hemio). Das ist nicht möglich, wenn dabei Phonemgrenzen überschritten werden (^horo Chor, aber koro Herz). Vgl. Regel 52,

Das Vorhandensein von vier Zischlauten, die beim Sprechen wie beim Hören auseinandergehalten werden müssen, erschwert Esperanto für die Sprecher mancher Sprachen. Wir Deutschen haben damit wenig Mühe. Die harten Zischlaute sind als sch und tsch im Deutschen häufig. Die weichen kennen wir aus Fremdwörtern, das ^j von solchen französischer Herkunft, das ^g von solchen aus dem Englischen.
Das Vorhandensein der vier Zischlaute ermöglicht die halbwegs lautgerechte Übernahme von geographischen und persönlichen Eigennamen und die Bereicherung des Wortschatzes. Herkunftsprachen sind nicht etwa nur slawische Sprachen, sondern das Deutsche (^suo, ^safo, fi^so usw.), das Englische (fi^so, ^germano Germane, pa^go Seite) und das Französische (^jurnalo, ^jongli u.a.). Eigentümlich ist der Gebrauch von ^c, wenn französische Wörter mit dem ^s-Laut (z.B. bei^cambro), oder des ^g wenn Wörter mit ^j-Laut zugrunde liegen (eta^go, ^gardeno, ^geni stören) usw.
Vokale
Die Vokale a,e,i,o,u spreche man rein und unvermischt wie im Hochdeutschen. Sie werden nicht verfälscht oder gar vertauscht wie in manchen Dialekten (etwa dem Sächsischen) oder Sprachen (etwa dem Englischen).
Man strebe eine "mittlere Aussprache" an und spreche die Vokale weder übertrieben lang noch durchgehend und gar übermäßig offen. Die Tendenz zur offenen Aussprache hat sich in den letzten Jahrzehnten verstärkt, scheint jetzt aber einigermaßen rückläufig zu sein. Man vermeide Extreme und Affektiertheit. Der Deutsche - und bei weitem nicht nur dieser - wird die Vokale in geschlossenen Silben (also vor zwei Konsonanten) eher kurz und offen sprechen, die Vokale in vokalisch auslautenden Silben eher lang und geschlossen (koro : korbo Korb) und liegt damit sicher nicht falsch.
Diphtonge
Nicht jedes Zusammentreffen zweier Vokale bildet einen echten und einsilbigen Diphthong. Diese bestehen stets aus einem Vokal mit einem nachfolgenden Halbvokal ü oder j am häufigsten in der Form aj, ej (plej am meisten), oj, uj (tuj sofort), aü, eü. Man spreche den ersten Vokal und lasse den zweiten schwächer folgen, etwa wie in Mai, Heu, pfui, Frau, englischem day . Das darf aber nicht wie deutsches eu gesprochen werden, das eher dem oj entspricht. Es muss wie kurz hintereinander gesprochenes e und flüchtiges u lauten (Eüro, Eüropo).
In Vokalfolgen wie in aorto, biero, piedo, scienco, enui sich langweilen, teamo Team, scii, balai (fegen) müssen die vollen Vokale nacheinander gesprochen werden. Die betreffenden Wörter sind (mindestens) dreisilbig.

Betonung
Ausnahmslos wird die vorletzte Silbe betont. Beachten Sie, dass die (echten) Diphthonge je eine Silbe bilden. Im zweisilbigen morgaü liegt daher der Ton auf der ersten Silbe, auf dem o, im dreisilbigen apenaü auf der mittleren Silbe. auf dem e. Dagegen ist balau!fege! dreisilbig, die Endung u der Befehlsform tritt an das auslautende a der Wortwurzel; die vorletzte Silbe, die den Ton trägt, ist das zweite a. Bei Wörtern auf -io und -ia ist das i die vorletzte Silbe und muss betont werden, was uns bei kolonio, sinfonio und filozofio nicht stört, aber bei lilio Lilie und familia gewöhnungsbedürftig ist.

Rechtschreibung
Die Regel "Jedem Laut entspricht ein Zeichen, jedem Zeichen ein Laut" erleichtert nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch die Einprägung der Wörter. Als Deutscher weiß man nicht so recht, schreibt sich das italienische Wort für blau mit einem oder zwei z und mit einem oder zwei r ? Eine derart vage Wortgestalt prägt sich schwer ein. Es gibt keine stummen Dehnungsbuchstaben wie unser h, e (in ie) oder Doppelvokale (aa, ee ... ) und keine Doppelkonsonanten (zwei gleiche Konsonanten hintereinander) in einem Wortstamm (fali, taso, somero, suno; aber plattreti platttreten.
Ein schönes Beispiel für gleich mehrere Aussprache- bzw. Rechtschreiberegeln ist der schon oben genannte dratharteriero: kein Dehnungszeichen h in drat(o) und aa in har(o), das zufällig entstehende und getrennt zu sprechende t-h, das einfache r in teriero und die Vokalverbindung i-e als Scheindiphthong. Außerdem wird man an die Möglichkeit erinnert, die -os in den ersten Bestandteilen zusammengesetzter Wörter wegzulassen (wie dumm klänge dratoharoteriero - obwohl es zulässig ist. Auch die Möglichkeit, überhaupt Wörter zusammenzusetzen, wird durch die Dreifachkombination von drato - haro und - teriero demonstriert.:

Silbentrennung
Am Zeilenende kann ein Wort an beliebiger Stelle getrennt werden. Das mag bei manchen Druckverfahren notwendig sein. Wenn man es in der Hand hat, wird man aber an Silbengrenzen oder am Ende von Wortbestandteilen oder auch vor Ableitungssilben trennen: koloni-o, vagon-pordo, blind-ulo oder blin-dulo. Dadurch wird die Verständlichkeit erleichtert. Niemand wird etwa den Artikel la trennen.

Wortstellung im Satz
Die Satzstellung ist weitgehend frei. Das -n des Akkusativs lässt auf einen Blick das direkte Objekt erkennen. Man kann La filinon batis la patro sagen. Im Deutschen ist das bei Den Sohn schlug der Vater auch möglich. Sind Nominativ und Akkusativ von Artikel und Substantiv gleich wie bei "Die Tochter schlug die Mutter", wird man die Umstellung ihrer Zweideutigkeit halber zumindest beim Schreiben unterlassen. Das -n ermöglicht ein einfaches und schnelles Satzverständnis. Einer natürlichen, logischen Satzstellung Subjekt - Prädikat - Objekt (Satzgegenstand - Satzaussage - Satzergänzung) wird man ohnehin den Vorzug geben. Um Monotonie zu vermeiden und zur Hervorhebung einzelner Worte kann man den Satz umstellen. Das besonders betonte Wort kann an den Anfang oder das Ende treten. Die Stellung der Worte im Satz ist ein wichtiges Stilmittel.
Adjektive können vor oder nach dem Substantiv stehen, auf das sie sich beziehen. Die Endungen -o und -a schaffen einen schnellen und eindeutigen Überblick. Voranstellung des Adjektivs ist häufiger, besonders bei Sprechern, die diese Stellung von ihrer Muttersprache gewöhnt sind. Nachstellung schafft eine stärkere Akzentuierung und wird bei Institutionen und Amtsbezeichnungen häufiger sein. Adverbien (Umstandswörter) stehen oft vor oder nach dem Wort, auf das sie sich beziehen. Umstandsbeziehungen, die den ganzen Satz betreffen, etwa Zeit- und Ortsangaben stehen meistens am Anfang oder am Ende des Satzes. Die Verneinung soll vor dem Wort stehen, auf das sie sich beziehen. Ist der ganze Satz verneint, steht ne vor dem Prädikat. Ein persönliches Fürwort im Akkusativ steht nicht selten wie in den romanischen Sprachen vor dem Prädikat: ^Si min konas Sie kennt mich.
Das "heranholende" ^ci kann vor oder nach tie usw, stehen: ^ci tie oder tie ^ci hier

Zeichensetzung

Dafür gibt es keine verbindlichen Regeln. Man kann wie im Deutschen verfahren. Um den Satz übersichtlich zu gliedern oder Sprechpausen zu markieren, braucht man sich nicht an die (derzeit instabilen) deutschen Regeln zu halten.
Vor einiger Zeit gab es (vergebliche) Beanstandungen, weil die UEA (Universala Esperanto-Asocio), der Esperanto-Weltverband, in ihrer Zeitschrift "Esperanto" die Relativsätze wie im Englischen nicht durch Komma abtrennt und damit nicht alle Nebensätze erkennbar von Hauptsätzen abteilt. Das erscheint wenig logisch und nicht zweckmäßig. Dennoch besitzt das Fehlen reglementierender und besonders einzuprägender Regeln Vorteile, die einzelne Ungereimtheiten, Unschönheiten, ja Verständnisverzögerung aufwiegen.