Sätze wie "La blonda knabo trinkas varman kafon." wurden früher gern zur Demonstration benutzt, wie leicht Esperanto (zu lernen) sei. Wer derartiges Beinahe-Deutsch mit Esperanto-Endungen nicht gewöhnt ist, wird bei der ersten Konfrontation eine solche Ballung eher blöd und abgeschmackt finden.. Ähnlich wirkt anfangs oft bereits eine germanisch-romanische Mischung wie bela knabo.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie mich Mitte der 40 Jahre, als ich mich mit Latein und Italienisch befasste, im Esperanto die Kombination -a -o, etwa alta turo, gleichsam wie eine Antikonkordanz irritierte.
Auch Ableitungen wie onklino oder patrino lösen anfangs bei vielen Kopfschütteln aus.

Wenn man sich einige Wochen an derartige Kombinationnen gewöhnt hat, vergisst man leicht den Eindruck , der bei der ersten Konfrontierung entstehen und abschreckende Wirkung haben kann..

Die Mischung der Wortstämme, die aus mehreren Sprachfamilien entnommenen sind, versuxhen, eine gewisse ausgleichende Gerechtigkeit zumindest für Europäer, Nord- und Südamerikaner herzustellen. Wer germanische Sprachen spricht, sollte nicht oder nur wenig gegenüber den Vertretern romanischer Sprachen benachteiligt sein: auch er findet viele bekannte Wörter. In unserem Schnellkurs habe ich dieses Verhältnis zu Gunsten Deutschsprachiger verschoben. Die Kursanten haben genug mit den dicht auf dicht folgenden Regeln zu tun und sollen möglichst wenig zusätzliche Mühe mit dem Pauken von Vokabeln haben. In dem Satz La blonda knabo trinkas varman kafon, den man sofort versteht, stecken 6 essentielle Regeln. Diese würden viel weniger selbsterklärend auffallen, wenn es sich um 6 unverständliche Worte handelte. Die germanischen Wortstämme sind entweder mehr englischer oder deutscher Herkunft (oder beiden Sprachen gemeinsam): havi, suno; haro, knabo; varma, somero. Viele sind, wie longa, sowohl germanisch wie romanisch oder jedenfalls für beide Sprachgruppen leicht verständlich. Das und nicht die Herkunft stand bei ihrer Wahl im Vordergrund.

Die Endungen (-o, -a, -j, -n, -i, -as und nicht allzu viele andere mehr) ermöglichen ein sofortiges Erkennen der Wportarten, des Numerus, des Kasus und des Satzaufbaus. Sie erleichtern das Erlernrn und den Gebrauch ungemein. Über den Akkusativ sind wiederum die Romanen weniger glücklich, weil der bei ihnen gleich dem Nominativ ist. Man findet aber durch das angehängte -n sofort das Objekt und ist in der Satzstellung frei (La kafon trinkas la knabo.) Uns Deutschen ist das -n von wen?, den Knaben? als Akkusativmerkmal besonders vertraut.

Vor- und Nachsilben (-ino, mal-, ge- und nicht wenige andere) regularisieren die Wortbildung weitgehend und entlasten das Gedächtnis .

Alles das ließe sich in hinreichend natürlicher Weise kaum anders verwirklichen. Auch Sie werden wie viele Tausende vor Ihnen nach anfänglichem Lächeln oder Kopfschütteln sich bald an diese Verbindungen eigenständiger Elemente gewöhnen und erst wieder durch die Kritik von Anfängern darauf aufmerksam werden.