Supplement

1) Wie kommt es, dass mich min heißt, aber für mich por mi (ohne-n)?

Der Schnellkurs setzt auf knapp(st)e Regelfassungen. Sie können nicht erschöpfend sein und nicht alles bringen, was zu dem jeweiligen Gegenstand gesagt werden kann, bzw. muss.
Manchmal sind Missverständnisse vorprogrammiert, und aufmerksame, Klarheit suchende User melden vernünftigerweise ihre Zweifel bei mir an. Einer entsprechenden Anfrage vedankt diese Ergänzung ihre Entstehung.

Die Regel (in diesem Schnellkurs Nr.19) heißt kurz und bündig: " Der Akkusativ endet auf -n". Das gilt, wie die Beispiele zeigen, für Substantiv wie Adjektiv: (Mi vidas) la junan knabinon: Ich sehe das junge Mädchen, (Mi vidas) la junajn knabinojn: (Ich sehe) die jungen Mädchen(gilt nicht für den unveränderlichen Artikel la), gilt für Pronomina: min mich, mian hundon meinen Hund und gilt für substantiv- und adjektivbezogene Tabellenwörter kiun (knabon), kion, kiajn librojn.

Nun heißt aber Für mich und für die jungen Mädchen auf Esperanto: Por mi kaj por la junaj knabinoj obwohl mich min heißt und der 4. Fall der jungen Mädchen nicht so wie im Deutschen dem 1.Fall gleicht, sondern la junajn knabinojn heißt.
Die wörtliche Übersetzung ist auch in anderen Sprachen nicht zulässig, weil der Fall, den dort eine Präposition verlangt, nicht immer der gleiche ist wie im Deutschen. Für das Vaterland heißt auf Latein pro patria, obwohl der Akkusativ von patria patriam heißt. Auf Altgriechisch heißt es pro patrídos, obwohl der Akkusativ von patrís patrída heißt und auf Russisch heißt es dlja otetshestwa, obwohl der Akkusativ otetshestwo heißt. Das deutsche für regiert den Akkusativ, das lateinische pro den Ablativ, das altgriechische pro und das russische dlja den Genitiv.

Mit den Esperanto-Verhältniswörtern verhält es sich so: Sie stehen im allgemeinen vor der Form auf -o: de la patro, al la patrinoj, el (aus) la ^sranko, sen (ohne) vortoj usw. Würde z.B. al zu, mit dem auch der Dativ, das indirekte Objekt, gebildet wird ähnlich wie im Französischen, Italienischen und Spanischen, ein -n fordern, dann würde man den Dativ mit dem Akkusativ ausdrücken und das indirekte Objekt mit dem direkten.

Es gibt aber - genau wie im Deutschen - einige wenige Präpositionen, die sowohl den Ort als auch die Richtung bezeichnen können: in dem Haus und in das Haus, auf dem Tisch und auf den Tisch, unter dem Bett und unter das Bett. Nur in diesem Falle verwendet man im Esperanto für die Richtungsbezeichnung die Form auf -n.

in dem Haus en la domo
in das Hausen la domon

auf dem Tisch sur la tablo
auf den Tisch sur la tablon

unter dem Bett sub la lito
unter das Bett sub la liton


Akkusativ mit Nominativ

In Wendungen wie machen zu, wählen zu ernennen oder nennen steht der neue Zustand oder Name im Nominativ: Mi faris lin mia anstataüulo. Ich machte ihn zu meinem Stellvertreter.
Ili elektis lin prezidanto. Sie wählen ihn zum Präsidenten.
La gepatroj nomis sian unuan filon Karlo. Die Eltern nannten ihren ersten Sohn Karl.