MEMORIAL

Kein schlechter Gedanke ist es, Verstorbenen ein Denkmal im Internet zu setzen. Das kann dem Gestalter einer eigenen Homepages gelten, um Besucher über seinen Tod zu informieren und vielleicht einige schöne und interessante Passagen seines Webbeitrages weiterhin zugänglich zu halten. Es kann aber auch dem Andenken eines teuren Verstorbenen auf der Website eines Anghörigen oder Freundes gelten. Eine geschäftstüchtige Industrie legt dafür wahre Friedhöfe im WWW an, auf der man Muster nach Art von Todesanzeigen wählen kann. Sie pflegen nach dem Motto: "Für den lieben Verstorbenen ist uns nichts zu teuer" übermäßig viel zu kosten. Dekoriert sind sie mit den üblichen Attributen der Vergänglichkeit und des Moders, welkem Laub, abgebrochenen Säulenstümpfen, Kränzen, Palmwedeln oder flugbereiten Engeln. Wäre es nicht besser das Erinnern von den Symbolen fleischlicher Vergänglichkeit zu lösen und ein Denkmal zu setzen, wie man es bedeutenden Menschen setzt, die vor uns lebten? Wenn man die Erinnerung an sie wach hält, dann doch ohne die bewährten Auslöser erleichtert eintretender Trauer. (Von einer derartigen Seite schrieb Gary Brandner im Internet-Magazin 9/2000, S.25: "eine Website, bei der man auch ohne den Verlust eines Angehörigen in Tränen ausbrechen muss. Wer hier für Verstorbene einen "virtuellen Grabstein" ins Netz stellen will, sollte sich vorher auf seinen Gesundheitszustand untersuchen lassen. Die Graphik über der Menüleiste erinnert stark an eine überfahrenen Krähe und passt hervorragend zum gesamten maroden Erscheinungsbild"(hinzugefügt am 6.3.2003)

Auch halte ich es für angemessener und eher auffindbar, wenn man ihrer nicht in Netzfriedhöfen gedenkt, sondern auf der Homepage eines Hinterbliebenen.
Eine etwas makabre Form, nach dem Tode auf sich aufmerksam zu machen, ist es "letzte Gedanken" post mortem per eMail zu versenden. Ein besonderer Service speichert die Botschaft, bis der Bedarfsfall eingetreten ist. Ich glaube kaum, dass eine solche scheinbare Nachricht aus dem Jenseits allgemein willkommen sein wird. Eine kluge Frau aus der entfernten Verwandtschaft meiner Frau hat lediglich frankierte Umschläge für Ihre Todesanzeige verfasst. Das spart den Hinterblienenen Arbeit und stellt einigermaßen sicher, dass jeder, an dem einen liegt, wirklich eine Anzeige bekommt. Aber bei den meisten so Beschickten löste selbst diees vernünftige Vorsorge Befremden aus (hinzugefügt am 20.7.2002).

Am 10. Mai 1999 starb meine liebe Frau. Ich will die Grabrede, die ihr ein Freund aus der Studienzeit gehalten hat, ins Netz stellen. Dabei handelt es sich nicht um das übliche Ensemble biblischer Klischees, die jeder Pfarrer, der kaum etwas von dem Verstorbenen weiß und ihn vielleicht nie gesehen hat, auf Abruf parat hat. Seine Worte dagegen rufen Dörte und den Ablauf ihres Lebens ins Gedächtnis zurück.

Erinnerungen aus diesem Leben will ich anschließen, eigene, aber vor allem auch solche von Verwandten, Feunden und Bekannte. Ernste, besinnliche und heitere. So wie sie uns das Leben schenkt.

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