Zykloiden und Perigramme im Vergleich
- Man muss beachten, dass die
Zykloide (Mehrzahl "die Zykloiden") und der Epizykel (Mehrzahl "die
Epizykeln") keine korrespondierenden Begriffe sind und darf von ihnen nicht wie
von analogen Pendants sprechen. In beiden Fällen gibt es die zugrunde
liegende Kreisfigur mit dem zeichnenden Punkt und die von diesem beschriebene
Figur. Die Zykloide bezeichnen den von diesem mit dem Rollkreis verbundenen
Punkt erzeugten Kurvenzug. Der Epizykel ist dagegen ein Folgekreis in
der zugrundeliegenden Figur. Für die von einem Punkt auf der Peripherie
des letzten Epizykels gezeichnete Figur fehlte bisher eine (dem Zykloid
analoge) Bezeichnung. Ich nenne sie jetztdas Perigramm (Mehrzahl "die
Perigramme").
- Zykloiden, genau gesagt:
Perizykloiden, wie Perigramme werden
gezeichnet von einem Punkt eines Kreises, der sich
um (mindestens) einen Kreis dreht. Bei den Zykloiden hat dieser zeichnende
Punkt einen beliebigen Abstand vom Mittelpunkt des zweiten ( = letzten)
Kreises. Bei den Epizykelfolgen liegt der zeichnende Punkt auf der Peripherie
des letzten Kreises.
Perizykloiden entstehen, wenn ein Kreis mit der
Peripherie außen oder innen um die Peripherie eines anderen Kreises rollt
(daher der Name Rollkurve). Perigramme entstehen, wenn der Mittelpunkt eines
sich um sich selbst drehenden Kreises auf der Peripherie eines anderen Kreises
wie auf einer Planetenbahn läuft. Man könnte von
Bahnkurven sprechen.
An der
Zeichnung einer Zykloide sind immer nur 2 Kreise beteiligt, die Zeichnung eines
Perigramms kann mittels beliebig vieler hintereinandergeschalteter Kreise
erfolgen. (Mein herunterladbares Programm epizykel.exe (s.u:)
ermöglicht es, 6 Kreise vorzugeben.)
- Perigramme sind
ungleich vielgestaltiger als Zykloiden. Nicht nur, dass man alle
Perizykloiden formengleich als Perigramme darstellen kann (s. 4), haben
Perizykloiden nur zwei Parameter R/r und a/r, Zykloiden haben 4n Parameter,
wobei n die Anzahl der beteiligten Kreise ist: rn, wn,
gn und die Drehrichtung des Kreises n, allerdings darstellbar durch
das Vorzeichen von gn.
- Zykloiden können als Sonderfall
der Perigramme aufgefaßt werden. Jede Zykloide läßt sich als
Zweikreis-Perigramm darstellen. Dabei
ergeben sich folgende Umrechnungsformeln, die Sie schwerlich anderswo finden
als hier.
Für Epizykloiden:
| r1 = R + r |
w1 = 0 |
g1 = -0.1 |
| r2 = a |
w2 = 180 |
g2 = 0.1*(R/r +1) |
Für
Hypozykloiden:
| r1 = R - r |
w1 = 0 |
g1 = -0.1 |
| r2 = a |
w2 = 0 |
g2 = 0.1*(R/r -1) |
So hat
die hier abgebildete sechsschleifige verlängerte Hypotrochoide als
Zykloide die Parameter
R/r
= 6 und a/r = 4 bei R = 36,
als Perigramm die Kurzformel 30,24 / 0 / -0.1,
0.5
- Im Unterschied zu den Zykloiden haben
die Epizykeln eine große ( Astronomie-) historisch bedeutsame
Vergangenheit. Sie wurden fast 2000 Jahre hindurch, von den
Alexandrinern bis zu Copernicus, verwendet, um die wechselnden
Geschwindigkeiten von Sonne, Mond und Planeten, sowie rückläufige
Planetenbewegungen zu erklären.
- Zykloiden findet man in jedem
Mathematikbuch, das etwas auf sich hält, Perigramme (auch unter einem
anderen Namen) aber nicht.. Das
erscheint verwunderlich bei ihrer Vorgeschichte wie bei ihrer Formenfülle.
Allerdings erlauben die Zykloiden eine Gliederung, die den Didakten erfreut.
Die Perigramme sind bestenfalls sekundär der Form nach in sich
überschneidende Gruppen zusammenzufassen.
Man könnte glauben,
dass die Perigramme durch den nicht der Realität entsprechenden Versuch,
die Planetenbahnen als Epizykeln zu deuten, in Verruf gekommen seien, und dass
sich die exakten Wissenschaftler ihrer deshalb schämen. Eher besteht Grund
auf die Epizykeln stolz zu sein, die es möglich gemacht haben die
scheinbaren Planetenbewegungen trotz des geozentrischen Weltbildes mit
teilweise erstaunlicher Genauigkeit zu modellieren und zu berechnen.
Auch
sollte man sich an ihrer Formenfülle erfreuen und bedenken, dass sie
vielfach Schmuckelemente, komplizierte Ornamente darstellen, die bisher kaum
ein Mensch gesehen hat. Wie müßte sich ein Graphiker mühen,
selbst wenn seine Phantasie ihm eine solche Figur eingibt, sie zeichnerisch zu
realisieren oder ein Stubenmaler, wenn er sie ins Großformat
übertragen sollte!
- Einst bezeichnete jemand meine
Perigramme als Fraktale. Ich habe mich damals dagegen verwahrt. Nicht jede
(abenteuerliche) Figur ist ein Fraktal. Es fehlt die Selbstähnlichkeit
usw. Da Poincaré mit seinen Arbeiten über die Himmelsmechanik an
der Wurzel der dynamischen Systeme und damit des ganzen Komplexes ChF
(Chaos-Fraktale) steht, die Himmelsmechanik sich aber bis ins 16. Jahrhundert
der Epizykeln bediente (s.o.), meint aber Hans Lauwerier, dem ich viel
verdanke, über die Vielzahl der damals verwendeten Epizykeln : "Wir
spüren darin das Prinzip der Selbstähnlichkeit: eine kosmische
Bewegung mit der Struktur eines Fraktals!" (in "Fraktale verstehen und selbst
programmieren, Bd. I, S.119, Hückelhoven 1992") Und er müßte es
ja wissen. Mir könnte es nur recht sein. Doch ich habe Vorbehalte.
Alle
Kreise sind einander geometrisch ähnlich. Aber das ist keine
Selbstähnlichkeit. Man kann einen Kreis nicht beliebig zerschneiden, um
nichts als Kreise zu erhalten. Ein Kreis setzt sich nicht aus Kreisen zusammen.
Und für Perigramme trifft dasselbe zu, auch wenn man viele Epizykeln
hintereinander oder nebeneinander stellt.
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letzte inhaltliche Änderung am 16.10.2002
Resumo en Esperanto: La
diferencon inter cikloidoj kaj perigramoj en la desegnado ni konas el la du
antaüaj pa^goj. - Epicikloj estas multe pli variaj en la formo ol
cikloidoj. Epicikloj havas 4 varieblajn parametrojn po cirklo, kaj la nombro de
la ^cirkaüirantaj cirkloj ne estas limigita. Cikloidoj havas nur du
parametrojn entute, kaj tie rondiras nur du cirkloj. Krome ^ciu cikloido estas
kalkulebla kaj desegnebla kiel epiciklo: ^ciuj cikloidoj estas same epicikloj.
En du tabeloj enestas formuloj por transkalkuli.- Epicikloj havas grandan
signifon en la astronomia historio. Dum 1800 jaroj inter la Aleksandriaj
sciencistoj kaj Koperniko oni provis per ili modeli la orbitojn de suno, luno
kaj la planedoj. Des pli mirinde estas, ke ili estas preskaü forgesitaj,
por ne diri (honte) for^shovitaj. En matematikaj lernolibroj mankas malofte la
cikloidoj, sed preskaü ^ciam la epicikloj kaj tio, kion mi nomas
perigramoj. (Tiun nomon mi elektis, ^car mi nenie trovis tiajn figurojn kaj
sekve neniun alian nomon por ili en libroj kaj ^car "perigramo" sufi^ce bone
aludas ilian konstrumanieron, estas bone skribebla, prononcebla kaj
memortenebla kaj malofte uzita kiel nomo por alia objekto.) Sed vidu nur la
ri^can mondon de ^ghiaj ornamaj formoj, kiujn preskaü neniu homo ^gis nun
vidis!.