Berlin-Notizen

Ergänzungen und Zitate


Ergänzungen und Zitate tragen in erster Linie deskriptiven Charakter und ergänzen die Stichworte. Sie wurden dort herausgenommen, um deren knappe Formulierungen nicht abschweifend und weitschweifig zu belasten. Sie werden nicht in der alphabetischen Folge aufgeführt, da sie in ihrem unzusammenhängenden Durcheinander sich nicht zu fortlaufenden Lektüre eignen. Zu erreichen sind sie durch Verweise von den jeweiligen Stichworten. Ihren isolierten Charakter entspricht die Sortierung nach Nummern.
Werden von bestimmten Autoren zahlreiche Textstellen zitiert, dann sind sie unter dem Namen des Verfassers eingeordnet.
Überwiegend wertende Aussagen findet man an anderer Stelle
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1.
Von Bernhard Sehring ist heute trotz seiner unbestreitbaren Verdienste wie der Einführung der nicht tragenden Glasfassade und obwohl noch Bauten von ihm stehen und genutzt werden, wenig die Rede. In den "Briefen aus der Reichshauptstadt (1895-1900)" des scharfsichtigen Kritikers Alfred Kerrs (1867-1948) (KR1, KR2) erfahren wir mehr aus zeitgenössischer Sicht. Er stand ihm "im fatalistischen Geruche", "in allem und jedem eine glückliche Hand zu haben." In der Fasanenstraße 13 (12?) schuf er sich eine antikisierende burgähnliche Wohnanlage großen Stils, die Kerr zufolge "einen vollkommen traumhaften Eindruck" hervorrief. "In Berlin gibt es kein Haus, in welchem bei Gesellschaften künstlerische Illusionen so stark mitwirken wie hier; und da der Baumeister zudem ein Mann von einem eigentümlichen, leisen. heimlichen und gemütlich- komischen Humor ist, der noch jeden überwunden hat, hat man für die Persönlichkeit und alle ihre Unternehmungen ein besonderes Interesse." Das Haus steht unter Denkmalsschutz. Auch die Renaissancefassade des Berliner Theaters des Westens entzieht sich retrospektiv dem überladenen, aber leeren Prunk des imperialen Stils des Fin de Siècle. Das Bühnenhaus "erinnert an eine mittelalterliche Burg" UP S.1237) wie das eigene Domizil. Die Krönung von Sehrings Neigung Burgen zu bauen stellt das eigentümliche Konstrukt der Roseburg (1905-25)bei Ballenstedt dar, die er als Sommersitz nutzte. Der Jugendstil als Lösung von den historisierenden Neostilen scheint Sehring weniger gelegen zu haben. Das Neue bricht sich aber desto bleibender vorwärtsweisend Bahn in der Fassadenaufhängung des Kaufhauses Tietz von 1900 in der Leipziger Str. . Meyers zwölfbäniges Lexikon der 20er/30er Jahre widmet Sehring keine Eintragung. Die im Detail unschlagbare Wikipedie zeigt uns, dass unser Baumeister iin erster Linie Theaterbaumeister war. Seine romantisierend rückschauende Geschmacksrichtung entspricht diesem Genre.
Bauwerke Sehrings in Berlin (nach unterschiedlichen Quellen):
- Künstlerhaus St. Lucas (eigenes Wohnhaus) Fasanenstr. 13 (12?) (1889)
- Wohn- u. Geschäftshaus Bankier Eduard Husemann, Kantsr. 153 ; (1892)
- Wohnhaus und Atelier Hoppmeister, Grunewald (1893), unter Denkmalschutz
- Mehrfamilienwohnhaus-Paar, Carmerstr.10/11 (1893)
- Wohnhaus Tiergarten Matthäikirchstr. (1894), zerstört
- Wohnhaus Charlottenburg, Kantstr. 153, Wohnsitz Rudolf Diesel
- Theater des Westens Charlottenburg, Kantstr. 9-12 (1896)
- Theater Alt-Berlin, Provisorium auf der Berliner Gewerbesausstellung,(1896),
   abgebrochen 1897
- Wohnhäuser Kantstr. 8-11 (1897)
- Kaufhaus Tietz (1900) in der Leipziger Str. Im 2, Wkrg. zerstört
- Umbau des Varieté-Theaters "Wintergarten" in Berlin, Friedrichstraße (1900)Er    besaß seit 1900 das Patent "Nachthimmel für Theater und sonstige
   Räume", wie er jahrzehntelang im Wintergarten zu bewundern war.
- Villa Habel (Löwenpalais), Koenigsallee 30/32, Berlin-Grunewald,(unter
   Denkmalschutz)(1904)
- Delphi-Palast, Kino (1928) Kantstraße / Fasanenstraße, Berlin-Charlottenburg, (im    Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, Fassade und Gartengestaltung
   rekonstruiert)