Berlin-Notizen

Fontane über Berlin

Theodor Fontane (1819- 1898) ist kein geborener Berliner, aber das waren besonders in Zeiten starken Bevölkerungswachtums die meisten Berliner Einwohner nicht. Es sind dann mehr zugezogen, als dort geboren wurden. Er hat von 1833 bis zu seinem Tode, also fast 65 Jahre, hier gelebt und konnte mit mehr Berechtigung als Kennedy sagen, "Ich bin ein Berliner".

Seine "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" (WddMB) handeln er allerdings kaum von Berlin. Wenn dort von heutigen Stadtteilen Berlins die Rede ist, dann, weil sie damals noch zur Mark gehörten.

Aber Fontane war nicht mehr Märker als Berliner, und in seinen sonstigen Schriften ist von Berlin sehr häufig die Rede. Viele auf die Hauptstadt bezogene Ausschnitte hat G. Erler in seinem Buch "Theodor Fontane >Wie man in Berlin so lebt<" (Aufbau-Verlag Berlin 2000) (WM) zusammengestellt .

Mir bleibt hier nur übrig, auf diese Stellen hinzuweisen sowie auf einige dort nicht genannte Berliner Topi. Viel Text ist um diese oft nur namentlichen Nennungen nicht zu machen, sonst hätten sie in dem genannten Buch Aufnahme gefunden.

Theodor Fontane

- "Arnimsches Lokal" (J.Arnims Hotel, Unter den Linden 44).WM S.117 verweist auf eine Notiz in der "Kreuzzeitung" vom 29.3.1865, die eine Blumenausstellung dort lobt, "wo sonst winterlang die Reden und die Toaste blühen". Das bezieht sich auf die Dichtervereinigung "Tunnel über der Spree" (1827-97), die dort anfangs zu tagen pflegte und in der Fontane ein führender Kopf war. Die Auseinandersetzungen werden nicht immer angenehm gewesen sein, daher nach Wechsel des Tagungsorts die Bemerkung: "Mancher wird mit Vergnügen die Gelegenheit ergreifen, sich mit einem Lokale auszusöhnen, wo im Gegensatz zu seinen Traditionen nun alles blüht und - schweigt."
- Dorotheenstädtische Kirche s. Wilmersdorf, Dorfkirche.
- Nikolaikirche Spandau. Ihr wurde ein eigenes Kapitel im Band "Havelland" der WddMB gewidmet. WM133ff.
- Stralau(>>): In "Irrungen, Wirrungen" (1887) beginnen diese, nachdem Baron Botho im 3. Kapitel die Lene vor einem Bootsunglück bewahrt hatte und man sich hinterher im Wirtshaus Tübbeke (Link, R.: MVGB 2005,1,173) von dem Schrecken erholte. Auch in "L'Adultera" (1880)(8,/9. Kapitel) fährt man nach Stralau. Das ganze 8.Kapitel heißt "Auf der Stralauer Wiese". Hier aber ist der Name des Wirts und Grundbesitzers in "Löbbeke" verfremdet, dafür das Haus innen und außen genauer beschrieben. Ebenfalls von 1880 ist dessen Abbildung bei Link (ebenda,S.176) und zeigt Übereinstimmung von der niedrigen Traufhöhe, "weil der Flur um ein erhebliches niedriger lag als die Straße" und die Fenster knapp über dem Bocen begannen bis zu den "drei, vier verschnittenen Lindenbäumen" davor.
- Treptow:Im 8. Kapitel von "Frau Jenny Treibel" reitet Leopold, deren Jüngster, nach Treptow: "Er hatte seinen wie gewöhnlich auf Treptow zu gerichteten Morgenausflug angetreten und ritt von der elterlichen Wohnung" (in der Köpenickerstr.) "aus , die zu so früher Stunde noch wenig belebte Köpenickerstraße hinunter, erst an seines Bruders Villa" ("ganz am Ausgang der Köpenickstraße, zwischen dem zur Pionierkaserne gehörigen Pontonhaus und dem Schlesischen Tor"), dann an der Pionierkaserne vorüber. Die Kasernenuhr schlug eben sieben, als er das Schlesische Tor passierte " - "bis er den Schafgraben und gleich danach den in geringer Entfernung gelegenen "Schlesischen Busch" erreicht hatte, drin am Abend vorher wieder zwei Frauenzimmer und ein Uhrmacher beraubt worden waren. >Dass dieser Unfug auch gar kein Ende nehmen will! Schwäche, Polizeiversäumnis.< Indessen bei hellem Tageslichte bedeutete das alles nicht allzu viel,weshalb Leopold in der angenehmen Lage war, sich der rings umher schlagenden Amseln und Finken unbehindert freuen zu können. Und kaum minder genoss er, als er aus dem "Schlesischen Busch" wieder heraus war, der freien Straße, zu deren Rechten sich Saaten und Kornfelder dehnten, während zur Linken die Spree mit ihren nebenher laufenden Parkanlagen den Weg begrenzte. Das alles war so schön, so morgenfrisch, dass er das Pferd wieder in Schritt fallen ließ. Aber freilich, so langsam er ritt, bald war er trotzdem an der Stelle, wo, vom andern Ufer her, das Fährboot herüberkam und als er anhielt, um dem Schauspiele besser zusehen zu können, trabten von der Stadt her auch schon einige Reiter auf der Chaussee heran, und ein Pferdebahnwagen glitt vorüber, drin, so viel er sehen konnte, keine Morgengäste für Treptow saßen..... gegen halb acht war er draußen." Im "Treptower Etablissement" (Zenner?).
- Wilmersdorf, Dorfkirche u.a."Sieh, liebe Victoire, dieser Wilmersdorfer Kürchtürm! Ähnelt er nicht unserer Dorotheenstädtischen Kirche?" fragt die etwa sonderliche Tante Margarethe im Schach von Wuthenow (4.Kap.). Der Vergleich mag nicht glücklich gewesen sein, denn keiner antwortete. Ihre nachhakende Spezifikation "Ich meine nicht um seiner Spitze, ..., nein , um seinem Corps du logis", was die Verwandten in Verlegenheit brachte, vielleicht wegen der für eine Kirche unpassende Bezeichnung für den Mittelbau, mehr noch über "das damalige, sich fast ausschließlich im Dativ bewegende Berlinisch" (3.Kap.)
In Irrungen, Wirrungen (1887) (9. Kap.) nähert man sich von der Zoogegend aus "über die Wiese hin" Wilmersdorf, "bis man zuletzt an einen Höhenrücken kam, der sich hier plateauartig nach der Havel hinüberzieht. An eben dieser Stelle hörten auch die Wiesen auf, und Korn- und Rapsfelder fingen an, die sich bis an die vorderste häuserreihe von Wilmersdorf zogen". Von dort konnte man " die nördliche Häuserreihe von Wilmersdorf überblicken". Das alte Wilmersdorf bestand nur aus zwei Häuserreihen nördlich und südlich der Dorfstr. (später Wilhelmsaue). "Mittlerweile sank die Sonne hinter dem Wilmersdorfer Kirchturm". Man stand ja im Nordwesten. Die Dorfkirche wurde in F.s Sterbejahr 1898 abgerissen, nachdem ein Neubau (der Auen-Kirche) fertiggestellt war..

(letzte Änderung: 17.2.05)