"Eines Tages im Sommer 1948 befahl der sowjetische Stadtkommandant Kotikow, daß alle in seinem Sektor Tätigen ein warmes Mittagessen bekommen müßten. Selbstverständlich konnte sich das der Generalmajor nicht aus eigener Tasche leisten. Aber das interessierte höchstens seine westallierten Kollegen.
Dieses warme Essen in den Betriebskantinen hieß im Volksmund `Kotikow-Essen´. Mein Vater sagte: `Damit hat er seinen Namen unsterblich gemacht!´
Der damals 46jährige war bis 1950 Berlins Stadtkommandant. So blieb ihm der 17. Juni 1953 erspart. Alexander Kotikow, der 1965 zum Ehrenbürger Berlins ernannt worden war, starb 1981 in seiner Heimat. Im Bezirk Friedrichshain bekam der Petersburger Platz ein Jahr später den Namen Kotikowplatz. Wegen jenes warmen Mittagessens, an das sich heute nur noch alte Leute erinnern, wenn sie vom Hunger erzählen und von den knappen Lebensmittelzuteilungen.
Die Geber neuer Namen befahlen 1991 die Rückbenennung in Petersburger Platz. Wie zu erwarten, ist Kotikow auch als Ehrenbürger gestrichen worden." (Heinz Knobloch in "Mit beiden Augen. Mein Leben zwischen den Zeilen", Frankfurt am Main 1999: Fischer Taschenbuch Verlag, S.21.)
Der Journalist und Schriftsteller Heinz Knobloch, der viel zum Thema Berlin publiziert hat, starb am 24. Juli 2003.

Allerdings war die Umbennung des Petersburgers Platzes 1982 schon deshalb längst überfällig, weil die Stadt Petersburg selbst seit 68 Jahren in Leningrad umbenannt war, und es kein kleines Vergehen gewesen wäre, sie mit dem alten Namen zu nennen. Verwunderlich ist eher, dass bei der Rückbenennung 1991 nicht das "Sankt" der im gleichen Jahr rückbenannten Stadt schmückend und gottbeflissen dem Namen des Platzes hinzugefügt wurde.